Helicobacter pylori naturheilkundlich begleiten: Der umfassende Selbsthilfe-Leitfaden

Was ist Helicobacter pylori – und warum ist es so hartnäckig?

Mögliche Anzeichen einer Helicobacter-Besiedlung:

  • Sodbrennen und Völlegefühl
  • Blähungen, Verstopfung oder wechselnde Verdauungsbeschwerden
  • Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch, besonders nüchtern
  • Übelkeit, Appetitlosigkeit, plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen (z. B. Fleisch)
  • Mängel an Eisen, Vitamin B12, Folsäure oder Eiweiß

Warnzeichen, bei denen zeitnah eine ärztliche Abklärung angezeigt ist:
anhaltende Schmerzen, ungewollter Gewichtsverlust, Schluckbeschwerden, ein plötzlicher Leistungsabfall oder sehr dunkler, teerartiger Stuhl (mögliches Zeichen einer Magenblutung).

Diese Fakten sollen nicht verängstigen, sondern einordnen: Die allermeisten Verläufe sind gutartig und die Infektion lässt sich – ob mit Antibiotika oder naturheilkundlich begleitet – gut in den Griff bekommen. Entscheidend ist, dass sie überhaupt behandelt und der Erfolg kontrolliert wird, statt sie einfach zu ignorieren.

Wichtiger Hinweis, bevor es losgeht

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder heilpraktische Diagnostik und Begleitung und ist keine Anleitung, eine ärztlich empfohlene Antibiotika-Therapie eigenmächtig abzulehnen. Er richtet sich an Menschen, die sich – idealerweise gemeinsam mit einem Arzt oder einer Heilpraktikerin – bewusst für einen naturheilkundlich begleiteten Weg entscheiden, und will das dafür nötige Wissen bündeln.

Ein paar Eckpunkte, die für jeden Weg gelten:

  1. Diagnose sichern. Ob Atemtest (13C-Harnstoff-Atemtest), Stuhl-Antigentest, Blutuntersuchung oder Magenspiegelung mit Biopsie – ohne gesicherten Befund lässt sich weder eine Therapie planen noch ihr Erfolg beurteilen.
  2. Kontrolle nach Abschluss der Therapie. Egal ob antibiotisch oder naturheilkundlich behandelt wird: Eine erneute Testung (frühestens 4 Wochen nach Ende jeder Therapie und Absetzen von Säureblockern) zeigt, ob das Bakterium tatsächlich verschwunden ist. Nur das gibt Sicherheit – ein Sich-besser-Fühlen allein ist kein Beweis für eine Eradikation.
  3. Situationen, in denen eine leitliniengerechte antibiotische Therapie zeitnah sinnvoll ist, sind zum Beispiel ein florides Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, eine Magenblutung, ein MALT-Lymphom, eine Fehlbildung nach Magenoperation oder erstgradige Verwandtschaft mit Magenkrebs-Fällen. In solchen Fällen sollte der naturheilkundliche Weg mit dem behandelnden Arzt abgestimmt und nicht als alleinige Strategie gewählt werden.
  4. Naturheilkundliche Therapie braucht Zeit und Begleitung. Anders als eine zehn- bis vierzehntägige Antibiotika-Kur sind pflanzliche und diätetische Ansätze auf Wochen bis wenige Monate angelegt. Eine fachkundige Begleitung hilft, Dosierungen, Kombinationen und den Verlauf richtig einzuschätzen.

Helicobacter pylori siedelt sich nicht in jedem Magen gleich gut an. Ein geschwächtes Milieu begünstigt die Infektion und ihre Beschwerden – und genau hier setzt die naturheilkundliche Begleitung zusätzlich zur direkten Bekämpfung des Keims an. Zu den bekanntesten Risikofaktoren für einen Magensäuremangel zählen:

  • Chronischer Stress (er drosselt über das vegetative Nervensystem direkt die Säure- und Enzymproduktion)
  • Chronische oder Autoimmungastritis mit Schädigung der säurebildenden Belegzellen
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Die Helicobacter-Infektion selbst
  • Langfristiger Einsatz von Säureblockern (PPI), die zwar Symptome lindern, das eigentliche Milieu aber weiter verändern

Für die folgenden Pflanzenstoffe und Naturheilmittel gibt es unterschiedlich belastbare Studienlagen – von guten klinischen Studien bis zu reinen Laborbefunden oder Erfahrungswerten. Beides ist wertvoll, sollte aber nicht verwechselt werden. Die Angaben zur Dosierung sind Orientierungswerte aus der Literatur, keine individuelle Therapieempfehlung.

Mastixharz (Chios-Mastix, Pistacia lentiscus)

Schwarzkümmelsamen und ihr Öl gehören zu den ältesten dokumentierten Heilmitteln des Mittelmeerraums und Orients und werden in der arabischen und persischen Medizin traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Ihr Hauptwirkstoff Thymochinon wirkt in Laborstudien entzündungshemmend, antioxidativ und antibakteriell. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an H.-pylori-positiven Patienten verbesserte die zusätzliche Gabe von 2 g Schwarzkümmelpulver täglich neben der üblichen Vierfachtherapie die Eradikationsrate signifikant gegenüber Placebo. Wichtig für die Einordnung: Die vorliegenden klinischen Studien haben Schwarzkümmel bislang als Begleitung zur konventionellen Therapie untersucht, nicht als alleinigen Ersatz. Für die vielfach kursierenden Aussagen zu Long-COVID oder Post-Vac-Syndromen gibt es bislang keine belastbare klinische Evidenz – hier ist Zurückhaltung angebracht.

  • Übliche Anwendung: 1 TL kaltgepresstes Schwarzkümmelöl täglich, ideal abends, oder ca. 2 g Samenpulver täglich

Süßholz (Glycyrrhiza glabra) wirkt schleimhautschützend, fördert die Schleimproduktion des Magens und gilt traditionell als Mittel bei Geschwüren. Eine placebokontrollierte Studie zeigte, dass ein Süßholzwurzelextrakt die Helicobacter-Belastung (gemessen per Atemtest und Stuhl-Antigentest) signifikant senkte. Bei Zwölffingerdarmgeschwüren zeigte die entglycyrrhizinierte Form (DGL, weniger als 3 % Glycyrrhizin, dadurch ohne blutdrucksteigernde Nebenwirkung) in einer Studie mit 3.800 mg täglich über mehrere Monate gute Heilungsergebnisse. Süßholz gilt zudem als Phytoöstrogen und wird bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Reguläres (nicht entglycyrrhiziniertes) Süßholz sollte wegen möglicher Blutdruckwirkung nicht dauerhaft in hohen Mengen eingenommen werden – bei Bluthochdruck vorab abklären.

Ein standardisierter, gut erforschter Süßholzextrakt namens GutGard zeigte in einer Studie ein bemerkenswertes Ergebnis: 56 % der Teilnehmenden hatten danach ein negatives Stuhl-Antigen, gegenüber nur 4 % in der Placebogruppe – ein Hinweis darauf, dass standardisierte Extrakte deutlich verlässlicher wirken können als selbst hergestellte Zubereitungen.

Manuka-Honig

Grapefruitkernextrakt wird in der Naturheilkunde traditionell als breit antimikrobiell eingesetzt. Eine Einordnung ist hier wichtig: Die oft zitierte polnische Arbeit zu Grapefruitkernextrakt und H. pylori betraf vor allem die Ulkusheilung und den antioxidativen Schutz bei Ratten – keine saubere Eradikationsstudie am Menschen. Die Humandaten sind also dünner, als vielfach dargestellt. Ergänzend zeigen Traubenkern-Procyanidine In-vitro-Aktivität gegen H. pylori und senken in Zellmodellen den Entzündungsmarker IL-8. Wer Grapefruitkernextrakt ausprobieren möchte: nur analysierte, konservierungsstofffreie Präparate wählen, 5–15 Tropfen in Wasser verdünnt, 2–3 x täglich nüchtern – und mögliche Wechselwirkungen ernst nehmen, da Grapefruit über das Enzym CYP3A4 den Abbau vieler Medikamente beeinflusst.

Oreganoöl und Minzöle (Pfefferminz, Krauseminze)

Omega-3-Fettsäuren hemmen in Studien das Wachstum und die Vermehrung von H. pylori. Interessant: Menschen mit geringer Omega-3-Zufuhr über die Ernährung sind offenbar häufiger betroffen – ein Grund mehr, täglich auf hochwertige Fette zu achten.

Brokkolisprossen (Sulforaphan)

Zu diesem Mittel liegen zahlreiche positive Erfahrungsberichte aus der Naturheilpraxis vor, und die Laborforschung liefert dazu inzwischen konkretere Hinweise: Artemisinin und seine Abkömmlinge wirken spezifisch gegen H. pylori, auch gegen resistente Stämme, und behalten ihre Aktivität selbst im sauren Magenmilieu. Eine verwandte Art, der Beifuß Artemisia argyi, hemmt in Laborstudien das Urease-Enzym des Bakteriums, seine Virulenzgene und den Entzündungsweg NF-kappaB. In einer Tierstudie besserte eine Langzeitfütterung mit Artemisia- und Grüntee-Extrakt zusammen eine bereits fortgeschrittene (atrophische) Gastritis und senkte die Tumorlast. Für den Menschen fehlen bislang aber kontrollierte klinische Studien speziell zu H. pylori – die Datenlage ist also laborstark, klinisch aber noch dünn.

In der Praxis: nur qualitätsgeprüfte Zubereitungen verwenden, keinesfalls die für Malaria übliche Hochdosierung ohne fachkundige Begleitung anwenden. In der Schwangerschaft meiden.

Weniger gut belegt, aber traditionell gebräuchlich

  • Vitamin C: hochdosiert in Laborstudien mit wachstumshemmender Wirkung auf H. pylori, zusätzlich als Antioxidans und Immunbaustein sinnvoll.
  • Kohlsaft: traditionell wegen seines Vitamin-U-Gehalts (S-Methylmethionin) als schleimhautstärkend bei Geschwüren geschätzt.

Ernährung, Darmgesundheit und Probiotika

Brokkolisprossen – der bestuntersuchte Ernährungsansatz

Hier ist die Evidenz besonders stark: Eine Metaanalyse mit über 3.800 Teilnehmenden aus 21 randomisierten Studien zeigte, dass die Gabe von Probiotika begleitend zur Standardtherapie die Eradikationsrate spürbar erhöht und gleichzeitig das Risiko therapiebedingter Nebenwirkungen deutlich senkt. Eine neuere Metaanalyse mit fast 5.800 Patient:innen bestätigt diesen Effekt. Besonders gut untersucht ist die Hefe Saccharomyces boulardii, außerdem Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämme. Der Effekt ist umso größer, je länger die Probiotika eingenommen werden (Studien empfehlen mehr als zwei Wochen) und wenn mehrere Stämme kombiniert werden.

Das gilt nicht nur bei einer antibiotischen Therapie: Auch begleitend zu einem naturheilkundlichen Vorgehen unterstützen Probiotika ein gesundes Darmmilieu, das H. pylori tendenziell weniger Raum lässt.

Stämme mit besonders guter Datenlage sind unter anderem Limosilactobacillus reuteri DSM 17938, Lactobacillus acidophilus und Saccharomyces boulardii.

Ergänzende Bausteine: Cranberry, Schleimhautrepair und Risikofaktoren

Eine einfache, traditionelle Suppe, die die antimikrobiellen Schwefelverbindungen aus Knoblauch und Zwiebel nutzt und in der Praxis auch bei H. pylori eingesetzt wird.

Zutaten (für 4 Portionen):

  • 1 Kopf Weißkohl
  • 1 Zwiebel
  • 8–10 Knoblauchzehen
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Kurkuma
  • ½ TL schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

  1. Zwiebel und Knoblauch mit Salz, Kurkuma und Pfeffer bei mittlerer Hitze andünsten.
  2. Gehackten Kohl und 4,5 Tassen heißes Wasser dazugeben.
  3. 45 Minuten köcheln lassen.

Das Ayurveda kennt kein „Helicobacter pylori” als Erreger, beschreibt aber seit Jahrhunderten ein Beschwerdebild, das der modernen Gastritis und dem Magengeschwür sehr nahekommt: Amlapitta (wörtlich „saures Pitta”). Es entsteht laut ayurvedischer Lehre durch ein geschwächtes Verdauungsfeuer (Agni), das zur Ansammlung von Stoffwechselschlacke (Ama) führt, kombiniert mit einem aus dem Gleichgewicht geratenen Pitta-Dosha – dem Prinzip von Hitze, Säure und Transformation im Körper. Auslösend wirken aus ayurvedischer Sicht scharfes, saures und stark gewürztes Essen, unregelmäßige Mahlzeiten, Fasten, Sorgen (Chinta) und Ärger (Krodha).

Diese Sichtweise passt bemerkenswert gut zur modernen Beobachtung, dass Stress und ein gereiztes, „zu heißes” Magenmilieu die Ansiedlung von H. pylori begünstigen.

Klassische pflanzliche Ansätze bei Amlapitta:

  • Yashtimadhu (Süßholz) – kühlend, schleimhautschützend, wird oft mit Milch erhitzt eingenommen
  • Amalaki (indische Stachelbeere, Amla) – reich an Vitamin C, wirkt kühlend und wird der Rasayana-Gruppe (aufbauende Mittel) zugeordnet
  • Shatavari – befeuchtend und Pitta-ausgleichend; eine Kombination aus Shatavari, Yashtimadhu, Berberis-Extrakt (Rasanjana) und Kardamom zeigte in einer klinischen Studie bei rund drei Vierteln der Teilnehmenden eine gute bis sehr gute Besserung von Sodbrennen, Völlegefühl und Verdauungsproblemen
  • Triphala und Avipattikar Churna – klassische Kräuterkompositionen zur sanften Regulation von Verdauung und Säure
  • Guduchi (Tinospora cordifolia) – in der ayurvedischen Literatur mit entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften beschrieben

Eine kleinere klinische Studie (28 Tage) zu individuell nach Konstitution (Prakriti) zusammengestellten Kräutermischungen bei Amlapitta zeigte eine statistisch signifikante Besserung der Beschwerden ab der dritten Woche.

Über die klassischen Einzelmittel hinaus nennt die ayurvedische Literatur eine ganze Reihe weiterer Kräuter mit im Labor nachgewiesener H.-pylori-Aktivität:

Mittel

Ayurvedischer Name

Rolle

Kurkuma

Haridra

Curcumin hemmt Wachstum und den Entzündungsweg NF-kappaB

Süßholz

Yashtimadhu

Anti-Adhäsion, Ulkusheilung (v. a. als DGL)

Amla

Amalaki

reich an Vitamin C, Pitta-beruhigend

Ingwer

Shunthi

hemmt das Urease-Enzym, stärkt das Agni

Neem

Nimba

bitter, im Labor antimikrobiell

Triphala

im Labor wachstumshemmend

Guduchi

Tinospora

immunmodulierend

Aloe

Kumari

kühlt Pitta, pflegt die Schleimhaut

Trikatu (u. a. Pippali)

verbessert die Bioverfügbarkeit anderer Kräuter, stärkt das Agni

Klassische Kräuterformeln wie Avipattikara Churna, Shatavari-Ghrita oder Yashtimadhu, mit Ghee und Honig eingenommen, gehören zu den traditionellen Rezepturen zur Schleimhautheilung – sie sollten aber nur mit kundiger Begleitung angewendet werden. Eine Ausleitungskur wie Panchakarma (insbesondere Virechana bei Pitta-Dominanz) ist ausdrücklich kein Vorhaben für den Selbstversuch zuhause, sondern gehört in erfahrene Hände.

Als einfache Alltagsanker eignen sich: ein warmes Kurkuma-Milchgetränk mit einer Prise schwarzem Pfeffer, täglich etwas Amla-Saft sowie – sofern die Schleimhaut es verträgt – etwas frischer Ingwer vor dem Essen. Dazu eine insgesamt Pitta-beruhigende Kost, die auf scharf-sauer-salzig-alkoholische Kombinationen verzichtet.

Begleitende Empfehlungen aus dem Ayurveda: kühlende, leicht verdauliche Kost, regelmäßige Essenszeiten, keine eiskalten oder stark erhitzenden Speisen kurz hintereinander, ausreichend Ruhe nach dem Essen sowie Techniken zur Beruhigung des Nervensystems – ein Feld, in dem sich die ayurvedische und die yogatherapeutische Perspektive besonders gut ergänzen.

Die Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Berberin ist ein Alkaloid aus der Chinesischen Goldfadenwurzel (Coptis chinensis, Huang Lian) und wird in der TCM seit Jahrtausenden bei Durchfall und Magen-Darm-Infekten eingesetzt – gewissermaßen als „östliches Antibiotikum”. Es hemmt H. pylori nachweislich in vitro, auch bei mehrfach antibiotikaresistenten Stämmen, und wirkt zusätzlich entzündungshemmend. In einer randomisierten kontrollierten Studie erzielte eine Dreifachtherapie mit Berberin, Amoxicillin und einem Säureblocker eine Eradikationsrate, die mit modernen antibiotischen Vierfachtherapien vergleichbar war und gut vertragen wurde. Eine systematische Übersichtsarbeit zu berberinhaltigen Vierfachtherapien kam zu ähnlich positiven Ergebnissen.

Kräuterkombinationen

In Netzwerk-Metaanalysen chinesischer Studien schneidet die Rezeptur Banxia Xiexin Tang (das Pinellia-Herzauswurf-Dekokt) als Zusatz zur westlichen Therapie häufig mit den besten Eradikationsdaten ab. Xiangsha Liujunzi Tang wird eher bei ausgeprägten Verdauungssymptomen und Huangqi Jianzhong Tang bei schwächerer Konstitution eingesetzt, da diese Rezeptur meist besser verträglich ist. Weitere in Studien genannte Kombinationen sind Jinghua Weikang, Zuojin Wan und Lian Po Yin. Wichtig für die Einordnung: Die besten Daten liegen für die Kombination von TCM-Rezeptur plus westlicher Therapie vor, die Datenlage zur reinen Monotherapie ist schwächer und methodisch oft dünner.

Akupunktur zeigt in Studien vor allem dann Nutzen, wenn nach erfolgreicher Eradikation noch funktionelle Beschwerden wie Völlegefühl oder Verdauungsstörungen zurückbleiben – weniger zur Bekämpfung des Bakteriums selbst.

Einordnung

Kein Wirkstoff, ob pflanzlich oder pharmazeutisch, wirkt losgelöst vom Zustand des Nervensystems. Chronischer Stress zählt selbst zu den anerkannten Risikofaktoren für einen gestörten Magensäurehaushalt – er drosselt über das vegetative Nervensystem direkt Verdauungsfunktionen, die eigentlich in Ruhephasen (parasympathisch gesteuert) ablaufen sollten. Wer isst, während er innerlich noch im Autopiloten oder im Stressmodus ist, verdaut anders, als wer bewusst und entspannt zu Tisch sitzt.

Aus yogatherapeutischer Sicht lässt sich das mit den Prana-Flüssen der alten Schriften verbinden: Verdauung wird dem Samana-Vayu zugeordnet, dem nach innen sammelnden, zentrierenden Energiefluss im Bauchraum. Ist dieser durch Hektik, flaches Atmen und Dauerreizung gestört, leidet die Verdauungskraft – unabhängig davon, welcher Keim gerade im Magen sitzt.

Praktische Bausteine für den Alltag:

  • Bewusste Bauchatmung vor und nach dem Essen – wenige tiefe Atemzüge in den Bauch aktivieren den Parasympathikus und bereiten den Verdauungstrakt vor
  • Ohne Ablenkung essen – kein Bildschirm, kein Multitasking; das Nervensystem braucht diesen Reiz, um in den Verdauungsmodus zu wechseln
  • Sanfte Drehhaltungen und Vorbeugen (z. B. Wirbelsäulendrehsitz, Kindeshaltung), regelmäßig praktiziert, unterstützen die Durchblutung der Bauchorgane
  • Feste Rituale statt Sofort-Wirksam-Hypes – ein täglicher, kurzer, aber verlässlicher Ablauf (Atmung, Bewegung, bewusstes Essen) wirkt auf das vegetative Nervensystem nachhaltiger als einzelne, punktuelle Maßnahmen
  • Ausreichend Schlaf und feste Tagesstruktur – beides stabilisiert die Cortisol-Rhythmik und damit indirekt auch die Magensäureproduktion
  • Rauchverzicht und maßvoller Alkoholkonsum – beides reizt die Magenschleimhaut zusätzlich und erschwert die Abheilung

Wie eingangs betont: Bei Geschwür oder Blutungszeichen sofort schulmedizinisch abklären lassen. Für alle anderen Fälle kann ein Rahmen wie der folgende helfen, aus der Fülle an Einzelmitteln eine überschaubare, konsequent durchführbare Vorgehensweise zu bauen – statt fünf ätherische Öle gleichzeitig auszuprobieren.

Phase A (etwa 4–8 Wochen): Druck auf den Keim, gleichzeitig Schutz aufbauen

  • 2–3 antimikrobielle Säulen wählen, nicht mehr – zum Beispiel Schwarzkümmel oder Mastix oder Oregano-Kapseln oder eine Artemisia-Zubereitung
  • Eine Schleimhautschiene ergänzen: DGL, Aloe, Zink-Carnosin oder Manuka-Honig
  • Täglich ein Probiotikum, zeitlich versetzt zu den anderen Mitteln eingenommen
  • Optional ergänzen: Brokkolisprossen, Cranberry, grüner Tee, Leinöl
  • Ernährung: warm, regelmäßig, wenig Alkohol, Kaffee und stark Gesalzenes, kein Rauchen

Eine 35-jährige Frau wollte nach einer erfolglosen Antibiotika-Kur, die ihr zusätzlich eine Pilzinfektion eingebracht hatte, ihren Helicobacter-Befall auf naturheilkundlichem Weg angehen. Ihr Begleitprotokoll bestand aus kolloidalem Bismut, Oreganoöl-Kapseln und Lactobacillus-Präparaten gegen das Bakterium sowie zusätzlich Cistus-Tee gegen die Pilzinfektion. Nach sechs Wochen war das Bakterium per Kontrolltest nicht mehr nachweisbar, der Pilz war bereits nach wenigen Tagen abgeklungen.

Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie ein individuell abgestimmtes Zusammenspiel mehrerer Bausteine wirken kann – und unterstreicht zugleich, warum eine Kontrolltestung am Ende jeder Herangehensweise unverzichtbar ist, um den Erfolg tatsächlich zu bestätigen. Zur Einordnung: Kolloidales Bismut ist auch in der Schulmedizin fester Bestandteil der klassischen Vierfachtherapie, da es schleimhautschützend und antimikrobiell zugleich wirkt. Cistus (Zistrose) wird in der Naturheilkunde traditionell zur Schleimhautpflege und bei viralen Infekten eingesetzt – im geschilderten Fall diente er der Begleitung der zusätzlichen Pilzinfektion.

Fazit und Checkliste für den eigenen Weg

Helicobacter pylori lässt sich naturheilkundlich sinnvoll begleiten – die Studienlage zu Mastix, Süßholz, Schwarzkümmel, Sulforaphan, Probiotika und Berberin ist erstaunlich solide für ein Feld, das oft unterschätzt wird. Gleichzeitig gehört zu einer seriösen, eigenverantwortlichen Herangehensweise auch der ehrliche Blick auf die Grenzen: Ein pflanzlicher Ansatz braucht Zeit, Konsequenz und im Idealfall fachkundige Begleitung – und er ersetzt keine ärztliche Abklärung, wenn Warnzeichen vorliegen.

Ein möglicher Fahrplan:

  1. Diagnose sichern lassen (Atemtest, Stuhl-Antigentest oder Magenspiegelung)
  2. Mit Arzt oder Heilpraktikerin klären, ob im individuellen Fall Zeit für einen naturheilkundlichen Versuch besteht oder ob eine zeitnahe antibiotische Therapie angezeigt ist
  3. Ein Bündel aus mehreren gut belegten Bausteinen wählen statt auf ein Einzelmittel zu setzen – zum Beispiel Mastix oder Berberin als antibakterielle Basis, Probiotika zur Unterstützung, Brokkolisprossen und eine magenfreundliche Ernährung als tägliches Fundament
  4. Stressreduktion, Atemarbeit und feste Essensrituale von Anfang an mitdenken, nicht erst als Nachgedanke
  5. Nach 8–12 Wochen konsequenter Anwendung erneut testen lassen (mit ausreichend Abstand zu Säureblockern)
  6. Bei ausbleibendem Erfolg oder neu auftretenden Warnzeichen (starke Schmerzen, Blutungszeichen, Gewichtsverlust) nicht zögern, auf eine antibiotische Therapie umzusteigen

Quellenverzeichnis (Auswahl)

Die Beiträge geben immer die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Wir schätzen unsere Leser als erwachsene Menschen und wollen ihnen unterschiedliche Möglichkeiten und Wege bieten, damit damit jeder das für sich Passende finden kann.

Autoren-Info
Mahashakti Uta Engeln
Yogatherapeutin und Heilpraktikerin | Web:  | Impressum

Mahashakti Uta Engeln ist Yogatherapeutin, -Ausbilderin und Heilpraktikerin. Seit 2003 ist sie aktiv als Vollzeit-Yogalehrerin und seit 2009 begleitet sie mit Yoga und Meditation Menschen auf ihrem Weg zu einem besseren Leben.